Dr. Daniel Gärtner

Dissertation

Dehnen im Kampfsport Dissertation

Einfluss verschiedener Dehnmethoden auf ausgewählte Leistungsparameter im Kampfsport

Die Veränderung von Kraft- und Dehnungsparametern des M. quadriceps femoris und der ischiocruralen Muskelgruppe in der Bewegung eines frontalen Highkicks durch statische und dynamische Langzeittreatments im Vergleich zu kombinierten PNF-Methoden nach der CRAC-Technik

Dehnen im Kampfsport


Veröffentlicht Februar 2014
Bewertung: „Magna Cum Laude“

Kurzinhalt:
An 98 Probanden wurden die Auswirkungen drei verschiedener Dehnprogramme (SS, DS, CRAC) über 8 Wochen auf Leistungsparameter im Kampfsport untersucht. Die Maximalkraft, die Hüftbeugefähigkeit, sowie Trittenergie, -schnelligkeit und -schnelligkeitsausdauer eines frontalen Highkicks wurden durch dynamometrische Messungen überprüft. Alle Dehnmethoden verbesserten die Beweglichkeit und wirkten sich nicht negativ auf die Trittleistungen aus. Durch das CRAC- und DS-Dehnen kam es teilweise sogar zu einer Steigerung der Kraft- und Schnelligkeitsparameter.

Short Abstract:
The effects of three different stretching techniques (SS, DS, CRAC) with a duration of 8 weeks have been tested on 98 subjects regarding selected performance parameters in martial arts. The maximum force, hip-flexion ability, kicking-force, kicking-speed and kicking-speedendurance of a frontal high kick were evaluated by dynamometric measurements. All stretching methods improved mobility and showed no negative effects on any kind of kicking-performances as mentioned. Even an partial increase in strength and speed was seen, which had been achieved by CRAC and DS stretching

Zusammenfassung und Ergebnisse:
Die Frage, welche Dehnmethode über lange Sicht für einen Kampfsportler wohl die effektivste sei, wurde mit dieser Dissertation ausführlich untersucht. Mittels umfangreicher Recherchen konnte die Relevanz dieses Forschungsansatzes untermauert und darüber hinaus aufgezeigt werden, dass sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport große Unsicherheit bezüglich der Anwendung und Wirkung verschiedener Dehnmethoden herrscht (vgl. Gisser/Hemetsberger, 2005; Schneider et al, 2009). Um die Diskrepanz zwischen aktuellem Forschungsstand und tatsächlicher Anwendung auch in Kampfsportkreisen zu untersuchen, wurde eine Umfrage unter mehr als 250 aktiven Kampfsportlern und Trainern aus den Disziplinen Karate, Kickboxen, Taekwondo und Fitness-Kampfsport durchgeführt. Allen befragten Personen sind laut dieser Umfrage das passiv-statische und das passiv-dynamische Dehnen bekannt. Auch ballistische Schwungdehnungen sind den meisten Sportlern vertraut. Eine große Wissenslücke klafft im Bereich der PNF-Dehnmethoden auf. Nur knapp die Hälfte besitzt Kenntnis von der CHRS-Methode und weniger als ein Drittel kennt andere Methoden, wie etwa das AC oder CRAC-Dehnen. Seitens der Anwendung existiert eine Vielzahl von Sportlern, die immer noch ausschließlich nach der passiv-statischen Stretchinglehre von Anderson (1980) dehnt und dynamische Dehnmethoden per se ablehnt. Auf der anderen Seite jedoch gibt es gerade im Leistungssport viele Athleten und Trainer, die von den vermeintlich leistungsmindernden Wirkungen des statischen Dehnens meinen Kenntnis zu haben, deshalb den dynamischen Methoden den Vorzug geben. Das statische Dehnen wird daher abgelehnt. Hinsichtlich der Zielsetzung und des Einsatzes des Dehnungstrainings konnte aufgezeigt werden, dass hauptsächlich nach dem Aufwärmen gedehnt wird, um die Bewegungsreichweite kurzfristig zu erhöhen und um Verletzungen zu vermeiden. Besonders die positive Wirkung des kurzzeitigen Dehnens auf die Geschmeidigkeit der Fußtritte und die damit verbesserte Kinästhetik werden immer wieder als Gründe genannt. Knapp 60 % dehnen auch nach dem Training und erhoffen sich dadurch eine schnellere Regeneration. Die Haltedauer im Auf- und Abwärmprozess liegt bei durchschnittlich 10-20 Sekunden pro Übung. Kurz vor einem Wettkampf oder einem Sparring werden ebenfalls Dehnübungen eingeschoben, die aber meist aus Schwunggymnastik und dynamischen Treatments bestehen. Der Einsatz von Dehnübungen als isoliertes Beweglichkeitstraining hingegen wurde von nur wenigen Befragten genannt. Besonders durch persönliche Interviews mit Leistungssportlern konnte in Erfahrung gebracht werden, dass die verminderte Ausbildung der Beweglichkeit im Kampfsport zu Lasten von Kraft- und Schnelligkeitstraining geht. Untersuchungen von Schneider et al. (2011) decken sich mit diesen Erkenntnissen und zeigen auf, dass Theorie und Praxis im Allgemeinen oft weit auseinander driften. Gründe hierfür liegen vor allem in der Pauschalisierung verschiedener Forschungsergebnisse oder wichtiger Details, in denen nicht zwischen singulären, Kurzzeit- oder Langzeiteffekten unterschieden wird. Die dadurch fehlende Zielorientierung, die eine differenzierte Anwendung des Dehnungstrainings verlangt, wird aus diesen Gründen häufig nicht wahrgenommen.

Im theoretischen Teil der Dissertation werden die Hintergründe der Beweglichkeit erläutert. Dabei wird aufgezeigt, dass die Quelle der Muskeldehnung den Titinfilamenten und nicht, wie lange vermutet, dem Bindegewebe bzw. den Muskelfaserhüllen zugeschrieben wird (vgl. Klee, 2003). Zudem stellt sich heraus, dass die Wissenschaft durch neuere Forschungsmethoden den molekularen Aufbau des Titin entschlüsseln konnte, wodurch neue Erklärungsansätze für die Wirkungen des Dehnungstrainings möglich wurden (vgl. Linke, 1996; Goldspink, 1994; McBride, 2003; Klee/Wiemann, 2004b). Eine durch Dehnungstraining hervorgerufene Verbesserung der Beweglichkeit senkt demnach nicht die Ruhespannung der Muskulatur, sondern erhöht den Tonus (vgl. Wiemann/Leisner, 1996; Wiemann, 2004a; Wiemann, 2004b; Freiwald, 2009). Im Tierexperiment konnten mehrfach Dehnungshypertrophien festgestellt werden, die auf eine Verdickung der Titinfilamente oder eine Vermehrung der in Serie geschalteten Sarkomere zurückzuführen waren (vgl. Klee, 2003). Auf diese Weise lässt sich die Spannungserhöhung durch Langzeitdehnungen erklären. Da die Erkenntnisse jedoch ausschließlich aus dem Tierversuch gewonnen wurden, ist eine Übertragbarkeit auf den Menschen bis heute hypothetisch. Auch die Möglichkeit der Umwandlung des Titin-Typs durch Langzeit-Treatments in eine sehr dehnfähige Isoform T1 wird erwähnt (vgl. Wiemann, 1996, 2002). Dies wäre eine Erklärung für eine morphologische Anpassung an extrem hohe Beweglichkeitsamplituden, die sich im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte in bestimmten Sportarten einstellt. Der Anstieg der Muskelruhespannung bei gleichzeitiger Beweglichkeitsverbesserung durch Langzeittreatmens wurde mehrfach bestätigt. Deshalb sind funktionelle Muskelanpassungen wohl die einzig plausible Erklärung. Dadurch wird die häufig erwähnte Erhöhung der Schmerztoleranz als einzig möglicher Erklärungsansatz weitgehend außer Kraft gesetzt. Wahrscheinlicher ist es aber die Wirkung aller erwähnten Effekte in der Gesamtheit, die zur Verbesserung der Beweglichkeit führt. Des Weiteren werden im Zusammenhang mit Langzeitdehnungen auch Kraft- und Schnelligkeitssteigerungen erwähnt (vgl. Klinge et al., 1997; Kokkonen et al., 2007; Künnemeyer/Schmidtbleicher, 1997; Klee/Wiemann, 2004a; Freiwald/Greiwing, 2007). Die Leistungssteigerungen in diesen Parametern, die in den meisten Langzeitstudien konstatiert wurden, werden häufig mit einer für biologisches Material typischen morphologischen Anpassung erklärt. Darüber hinaus wird im theoretischen Teil auch die Beweglichkeit als motorische Hauptbeanspruchungsform analysiert und dargestellt. Dabei werden die Dehneffekte Hysterese, Relaxation, Creeping und Dehnungsrückstand erläutert und mit Bezugnahme auf Kurzzeit- oder Langzeitwirkung definiert (vgl. Schönthaler et al., 1998; Wang et al., 1993; McHugh/Magnusson et al., 1992; Wydra/Glück/Roemer, 1999; Freiwald, 2009, Moosburger/Markmann, 2009). Aus den Recherchen zur Einteilung der Beweglichkeit wird die Uneinigkeit hinsichtlich der Abgrenzung der Beweglichkeitsarten und Erscheinungsformen sowie unterschiedlich und willkürlich verwendeter Begriffe und Bezeichnungen deutlich. Es zeigt sich immer wieder eine Verschmelzung der Erscheinungsformen der Beweglichkeit und den davon abgeleiteten Dehnmethoden. Die Einteilung der Beweglichkeit nach Hoster (1987) in aktiv/passiv und statisch/dynamisch wird in einigen Studien dadurch zu Unrecht diskreditiert, stellt sie doch für die Bewertung einer Beweglichkeitsart nach wie vor ein optimales Schema dar.

Im weiteren Verlauf werden die davon abgeleiteten Dehnmethoden entwicklungsgeschichtlich vorgestellt und die charakteristischen Eigenschaften der jeweiligen Methoden skizziert. Dabei findet eine umfassende Behandlung der in dieser Studie untersuchten drei Dehntechniken (SS=static stretch, DS=dynamic stretch, CRAC=contract relax agonist contract stretch) statt, in der die Angaben verschiedener Autoren zu Reizintensitäten, Haltedauer und Durchführung voneinander abgegrenzt und tabellarisch zusammengefasst werden (vgl. Knott/Voss, 1970; Harre, 1973; Anderson, 1980; Sölveborn, 1982; Knebel, 1982; Spring et al., 1986; Hoster, 1987). In diesem Kontext findet auch die Darstellung der Reflexaktivitäten innerhalb der Muskulatur durch ein Dehnungstraining statt. Dabei wird die in der Sportwissenschaft beschriebene autogene und reziproke Hemmung bezüglich der Wirkungsweise der PNF-Dehnmethoden erklärt (vgl. Knott/Voss, 1968; Sölveborn, 1983; Alter, 2004; Schnabel/Harre et al., 2005; Thienes, 2000; Grosser et al., 2001; Freiwald, 2007; Weineck, 2010). Zudem findet eine umfassende Beschreibung der verschiedenen PNF-Methoden statt, die in einer Tabelle hinsichtlich ihres Belastungsmusters dargestellt werden. Daraus wird ersichtlich, dass in der Fachliteratur an die 20 verschiedenen PNF-Methoden existieren, welche aufgrund ihrer Parallelen in drei Hauptformen (CR, AC und CRAC) kategorisiert werden können. In dieser tabellarischen Darstellung wurden alle PNF-Methoden der jeweiligen Charakteristik zugeordnet und stichpunktartig beschrieben. Neben diesen Darstellungen werden auch verschiedene Wirkungsweisen des Dehnungstrainings untersucht.

Im Kapitel zur Darstellung des aktuellen Forschungsstandes werden anfangs die drei verschiedenen Treatments (singulär, Kurzzeit-, Langzeit-) hinsichtlich ihrer Interventionsdauer voneinander abgegrenzt, ehe relevante Untersuchungen näher vorgestellt werden. Es zeigt sich, dass die Studien zur Langzeitwirkung des Dehnungstrainings, denen der Kurzzeitwirkungen deutlich in ihrer Quantität unterliegen (vgl. Holt/Smith; 1983; Klinge et al., 1997; Wiemann, 1993; Wiemann, 2000; Klee, 2003; Wydra/Glück, 2004). Um einen besseren Überblick zu erhalten, werden alle wichtigen Langzeitstudien seit 1990 in einer Tabelle dargestellt und Angaben zu den Autoren, Treatments, Stichprobengröße, Intervention, Methodik und den Ergebnissen stichpunktartig zusammengefasst. Dabei wird deutlich, dass Untersuchungen zu Langzeitwirkungen ab Mitte der 2000er Jahre seltener als Kurzzeit-Untersuchungen zu finden sind. Zudem ist eine Disparität zwischen allgemeinen und sportartspezifischen Untersuchungen auszumachen. Geht es um die Wirkung auf Kraft- oder Schnellkraftparameter, stehen meist die Sprung- oder Sprintleistungen im Fokus. Kampfsportspezifische Fragestellungen zu dieser Thematik finden sich nur wenige (vgl. Favarini, 2007).

Im Kapitel 6 findet die biomechanische Analyse des frontalen Highkicks als Untersuchungsgegenstand statt. Dabei werden zunächst verschiedene Frontkick-Variationen in drei Hauptkategorien (tief, mittel, hoch) unterteilt und entsprechend der Anwendung in der Kampfsportpraxis erläutert (vgl. Edelmann, 2008). Durch videoanalytische Untersuchungen der Tritte wurden Reihenbilder erstellt, welche die spezifische Bewegungscharakteristik der Techniken veranschaulichen. Mechanische, kinetische und kinematische Eigenschaften dieser Tritttechniken wurden dabei mit Hilfe aktueller Untersuchungen zur Biomechanik der Kampfkünste dargestellt (vgl. Sørensen, 1996; Pfeifer, 2004; Emmermacher/Witte et al., 2007). Dabei zeigte sich, dass der optimale Bewegungsverlauf sowie die Kraftverlaufskurven eines frontalen Highkicks in der Fachliteratur teilweise kontrovers dargestellt werden. Aus diesem Grund erfolgt eine differenzierte Betrachtung verschiedener Kraftverlaufsmodelle (vgl. Pfeifer, 2006; Putnam, 1983, 1993, zit. bei Sørensen et al., 1996; Herring/Chapman, 1992), die hinsichtlich der für den Versuchsaufbau relevanten Durchführung des frontalen Highkicks plausible Lösungsansätze liefern. Die für die die Dehnungstreatments relevanten Muskelgruppen konnten mit Hilfe dieser Bewegungsmodelle bestimmt und die an der Bewegung primär und sekundär beteiligten Muskeln benannt werden. Durch EMG-Messungen von El-Daly (2010), Sørensen (1996), Abraham et al. (2001) und Hong (2000) werden eindeutig die Mm. rectus femoris und vastus lateralis bei der konzentrischen und die Mm. biceps femoris und gastrocnemius bei der exzentrischen Bewegung identifiziert. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse konnte die Übungsauswahl für diese Muskelgruppen in den drei verschiedenen Dehninterventionen entsprechend bestimmt werden. Demnach bestand jedes Dehnproramm, das die Probanden mindestens zwei Mal pro Woche durchführen sollten, aus jeweils vier Übungen für die ischiocrurale Muskulatur und den M. quadriceps femoris.

Im experimentellen Teil werden die Wirkungen der drei Dehnmethoden SS, DS und CRAC auf ausgewählte Leistungsparameter im Kampfsport über acht Wochen untersucht. Untersuchungsgegenstand ist der frontale Highkick, von welchem die für Kampfsportler relevanten Parameter abgeleitet wurden. Hierfür wurde im Biomechaniklabor an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaft der Technischen Universität München eine Testserie mit kompletter Messwiederholung aufgebaut, die das spezielle Anforderungsprofil eines Kampfsportlers in einer Wettkampfsituation abdeckt (vgl. Lehmann, 2000, S. 51ff).

An den Untersuchungen nahmen insgesamt 48 weibliche und 50 männliche Vpn aus diversen Kampfsportarten teil. Diese Personenstichprobe von 98 Versuchspersonen setzte sich aus Teilnehmern verschiedener Kampfsportstile zusammen. Mit jeder Vpn wurde nach einem fünfminütigen Aufwärmen jeweils ein Vortest, der zur Feststellung des aktuellen Leistungsstands diente, und nach acht Wochen Dehnintervention ein Nachtest, der die Veränderung der Leistungsparameter aufzeigte, durchgeführt. Untersucht wurde die Maximalkraft in einer Kniegelenksextention [1-RM], die aktive-dynamische [BWRdyn] und passive-statische [BWRstat] Hüftbeugefähigkeit, die maximale Trittenergie [TEmax], Trittschnelligkeit in 10s [SK] und die Trittschnelligkeitsausdauer in 30s [SKA]. Die Durchführung der Tests sowie die Beschreibung der Messgeräte finden sich im Methodikteil dieses Kapitels. Darin werden Stichprobengrößen, anthropometrische Daten der Versuchspersonen, Gruppenklassifizierungen, Wertungskriterien und die Zusammensetzung aus den jeweiligen Kampfsportarten und Leistungsgraden erläutert. Aus den wissenschaftlichen Fragestellungen generieren sich die unter Kapitel 7.4. vorgestellten Hypothesen, die mit der speziell dafür konzipierter Testserie untersucht wurden. In diesem Rahmen findet die Vorstellung der jeweiligen Testgeräte statt. Neben der Beschreibung wird zudem die Relevanz der Leistungsparameter hergeleitet und in einen wissenschaftlichen Kontext mit der Fragestellung dieser Studie, hinsichtlich der beanspruchten Muskulatur und erfassten Gelenke, gebracht. Durch grafische Darstellung sowie Fotocollagen werden die jeweiligen Messinstrumente anschließend detailliert vorgestellt und Gütekriterien erläutert.

Das Kapitel 8 beinhaltet die Darstellung der Ergebnisse. Darin werden zunächst alle untersuchten Leistungsparameter in drei Typen bzw. Kategorien eingeteilt und nachfolgend entsprechend präsentiert. Kategorie I beinhaltet die Ergebnisse aus dem Maximalkrafttest in der Kniegelenksextension, der als eigenständiger Parameter von der Testserie ausgegliedert und jeweils nur einmalig im Vortest und Nachtest durchgeführt wurde. In Kategorie II werden die beiden Beweglichkeitsparameter passiv-statisch und aktiv-dynamisch zusammengefasst und Kategorie III stellt die Tritt-Leistungsparameter TEmax, SK und SKA dar. Die Daten wurden statistisch mit dem gepaarten T-Test auf Signifikanz überprüft. Gruppenunterschiede zwischen den Treatments wurden mit einer einfaktoriellen Varianzanalyse untersucht. Die Ergebnisse werden im Anschluss kategorisch sowohl in Tabellen als auch in Grafiken dargestellt und Ausreißer und Extremwerte durch Boxplots aufgezeigt und falls nötig in einer Einzelfallbetrachtung erläutert.

Für die Maximalkraft ergibt sich nur in der DS-Gruppe ein signifikanter Wert mit p=0,017*. Dies entspricht einer Verbesserung von 8,16 % vom VT mit 60,56 KG zum Nachtest auf 65,6 KG. Die Ergebnisse in den anderen Treatment-Gruppen waren nicht signifikant.

Hinsichtlich der passiv-statischen Bewegungsreichweite [BWRstat] konnten in allen drei Dehnungsgruppen signifikant positive Veränderungen konstatiert werden. Die höchsten Werte wurden mit jeweils p=0,000*** in der SS-Gruppe mit einer Verbesserung von 4,82 % und in der CRAC-Gruppe mit einer Steigerung um 8,92 % erreicht. Durch das DS-Dehnen konnte die passiv-statische Beweglichkeit mit p=0,002** um 5,69 % auch signifikant verbessert werden. Diese Ergebnisse entsprechen im Mittelwert jeweils Steigerungen der maximalen Bewegungsreichweite um 7,16 cm in der SS-, 8,36 cm in der DS- und 12,42 cm in der CRAC-Gruppe. In der Kontrollgruppe wurde dagegen keine signifikante Veränderung erzielt. Für aktiv-dynamische Hüftbeugefähigkeit [BWRdyn] ergaben sich auch in allen drei Dehnungsgruppen signifikante Verbesserungen. Hier wurde durch das CRAC-Dehnen mit p=0,000*** und einer Steigerung von 9,44 % der höchste Wert erreicht. In der SS-Gruppe zeigten sich mit p=0,005** und einer Differenz von 3,32 % und in der DS-Gruppe mit p=0,035* und einer Verbesserung um 3,73 % ebenfalls signifikant positive Veränderungen. Insgesamt konnte die aktiv-dynamische Hüftbeugefähigkeit in der SS- um 3,79 cm, in der DS- um 4,45 cm und in der CRAC-Gruppe um 10,13 cm verbessert werden. Die Veränderung von 0,33 % in der Kontrollgruppe ist dagegen nicht signifikant.

Die Ergebnisse des gepaarten T-Tests zeigen für die maximale Trittenergie [TEmax] signifikante Verbesserung durch das DS-Dehnen mit p=0,001*** und einer Steigerung um 13 % und in der CRAC-Gruppe mit p=0,012* und einer Verbesserung um 10,36 %. Die Veränderungen in der SS- und Kontrollgruppe sind dagegen nicht signifikant. In der Trittschnelligkeit [SK] und Trittschnelligkeitsausdauer [SKA] wurden durch alle Treatments signifikante Veränderungen erzielt. Die Gruppe SS konnte sich im Parameter SK um 6,15 % verbessern. Die Irrtumswahrscheinlichkeit liegt mit p=0,04* noch im signifikanten Bereich. In der SKA wurde mit 10,09 % eine Verbesserung um 2,63 Tritte auf 30 Sekunden erreicht, welche mit p=0,015* ebenfalls als signifikant anzusehen ist. Für die DS-Gruppe ergeben sich für die SK mit 10,62 % und für die SKA mit 13,34 % und einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p=0,000*** jeweils höchst-signifikante Werte. Bei der CRAC-Methode kommt es in der SK zu einer Steigerung um 8,01 %. Diese Veränderung ist mit p=0,008* signifikant. Für die SKA ergibt sich in dieser Gruppe mit p=0,000*** eine höchstsignifikante Verbesserung um 14,53 %. Die Veränderungen in der Kontrollgruppe sind in allen zwei Schnelligkeitsparametern nicht signifikant.

Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse noch einmal zusammengefasst und differenzierte Empfehlungen für die Anwendung in der Sportpraxis und die Wissenschaft abgeleitet. Auf Grundlage dieser Ergebnisse und den varianzanalytischen Gruppenvergleichen, lässt sich eine Tendenz feststellen, wonach die Anwendung der CRAC-Methode und des passiv-dynamischen Dehnens (DS) im Kampfsport zu bevorzugen ist. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Anwendung des CRAC-Dehnens auf den gesamten Anwenderbereich zu übertragen ist. Die Überlegung stützt sich auf die aus der Testpraxis gewonnenen Auswertungen der Protokollbögen. Fast die Hälfte der Probanden klagte über enorme Gelenksschmerzen vor allem bei Dehnübungen für den M. quadriceps femoris. Zudem traten Verständnisschwierigkeiten hinsichtlich der zu kontrahierenden Muskulatur und den daraus erzielten Effekten auf, die teilweise eine zielorientierte Anwendung verhindern. Aus diesem Grund scheint die Durchführung in großen Gruppen oder als Eigentraining ohne entsprechende Vorkenntnis oder ohne Trainerunterstützung ungeeignet zu sein. Beachtet werden muss, dass für das Ausüben dieser Methode ein hohes Maß an Körperwahrnehmung und Vorkenntnis notwendig ist. Der Einsatz im Leistungssport ist deshalb eher zu bevorzugen als im Breiten- oder Anfängertraining. Durch unsachgemäße Anwendung kann es aufgrund der intensiven Belastung zu Muskelschmerzen, Muskelkater, Taubheit, Zerrungen oder Gelenksproblemen kommen. Deshalb sollte die CRAC-Methode auch nur bedingt bei allen Dehnübungen eingesetzt werden. Im Breitensport empfiehlt sich ein ergänzender Einsatz von PNF-Methoden, parallel zum passiv-dynamischen Dehnen in Form von isolierten AC- oder CR-Treatments. Im Anfängerbereich dagegen scheint zunächst ein reines passiv-statisches, mit allmählich einsetzenden dynamischen Komponenten sinnvoll.

Weiterführende Untersuchungen sollten auf dem Gebiet der Langzeitwirkung verschiedener Dehnmethoden dringend durchgeführt werden. Vor allem die Wirkung der CRAC-Methoden in Kombination mit einem passiv-dynamischen Nachdehnen ist noch kein Gegenstand sportwissenschaftlicher Studien. Auch Unterschiede der Durchführung verschiedener Belastungsnormativen innerhalb einer Dehnmethode, wie etwa die Reizdauer, Satzzahl und Wiederholungen, sollte durch weiterführende Forschungen behandelt werden. Darüber hinaus wäre es durchaus sinnvoll, kampfsportspezifische Leistungsparameter isoliert zu untersuchen und von der in diesem Projekt aufgebauten Testserie auszugliedern. Auch die Wirkungen von Kurzzeit-Treatments, sowie singulären Dehnbelastungen wurden im Kampfsport noch zuzureichend behandelt. Hier könnten auf dieser Arbeit aufbauende Studien praxisrelevante Ergebnisse in der Zukunft liefern.

Dehnen im Kampfsport Dr. Daniel Gärtner

Dehnen im Kampfsport: Dissertation Daniel Gärtner

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